Die Anforderungen an Bewerber werden immer höher. Selbst von Handwerkern oder anderen Berufen, in denen früher der Hauptschulabschluss völlig ausreichte, wird heute oftmals mindestes der Sekundarabschluss I oder sogar das Abitur erwartet. Hat man mit dem Hauptschulabschluss heute überhaupt noch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt?
Der Konkurrenzkampf auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt ist knüppelhart geworden. Die erhöhten Anforderungen der Arbeitgeber haben in der Realität einen zweigeteilten Ausbildungsmarkt zulasten der Hauptschulabsolventen entstehen lassen. Wer heute zum Beispiel Bankkaufmann, Bürokaufmann oder Chemielaborant werden will, der hat ohne mittlere Reife oder gar Abitur kaum noch eine Chance. Der Grund: Es gibt einfach genügend Bewerber mit dieser Qualifikation. Daher greifen Betriebe in der Regel auf die Höherqualifizierten zurück, da von diesen Kandidaten ein höheres Leistungsniveau und eine erhöhte Lernbereitschaft und -fähigkeit zu erwarten ist. Doch gibt es auf der anderen Seite auch Unternehmen, die Hauptschulabsolventen völlig unvoreingenommen gegenübertreten. Diese Firmen geben Hauptschulabsolventen dieselbe Chance auf einen Ausbildungsplatz wie höherqualifizierten Bewerbern.
Der persönliche Eindruck zählt
Letzten Endes zählt kaum etwas mehr als der gute persönliche Eindruck beim Gespräch. Daraufhin entscheidet sich, ob der Kanidat in die nähere Auswahl für einen Ausbildungsplatz kommt. Vor allem kommt es hier auf soziale Kompetenzen an: Zuverlässigkeit, Motivation, Disziplin, Leistungsbereitschaft und vor allem Höflichkeit spielen bei den meisten Arbeitgebern eine große Rolle. Dies sind allerdings auch genau die Bereiche, in denen meist nachgesteuert werden muss. Viele Firmen wissen allerdings, dass Hauptschüler oftmals (verborgene) Talente haben, die meist nicht entsprechend gefördert wurden. Diese Talente werden in keinem Zeugnis erwähnt und sie treten auch erst dann zu Tage, wenn der Aspirant um die neue Stelle seine Leistungsbereitschaft einmal unter Beweis stellen darf. Für viele Hauptschüler ist daher ein Praktikum oftmals das richtige Sprungbrett für eine Festanstellung.
Genug Selbstvertrauen
Beim Vorstellungsgespräch wird außerdem viel Wert auf ein selbstbewusstes Auftreten gelegt – ganz unabhängig vom erreichten Schulabschluss. Die meisten Personaler wissen, dass man bei einem Vorstellungsgespräch in der Tendenz eher aufgeregt ist und kennen Mittel und Wege, den Kandidaten langsam aber bestimmt aus der Reserve zu locken und ihn zum freien Sprechen zu bewegen. Der Bewerber sollte selbstbewusst über sich und seine bisher erbrachten Leistungen referieren, sich aber vor allzu großer Übertreibung oder Angeberei hüten. Im Zweifel wirkt ein leichtes Understatement sympatischer als ein Bewerber, der sich als Alleskönner und Nonplusultra darstellt. Beliebt ist bei Personalern beispielsweise die Frage nach den eigenen Stärken und Schwächen. Der Kandidat sollte in jedem Fall auf diese Frage vorbereitet sein und sich vorab eine passende Antwort zurechtlegen. Vorsicht bei den Schwächen: Nennen Sie hier immer welche, die nichts direkt mit dem Job zu tun haben. Zum Beispiel, dass Sie gerne zu viel Süßes essen, gerne sportlicher wären, Schnulzenfilme oder Schlagermusik lieben oder gerne zu selbstlos handeln. Punkten Sie dafür bei Ihren Stärken und wählen solche, die Sie direkt in dem angehenden Berufsfeld brauchen können.
Den Betrieb kennen
Wichtig ist, dass man sich vorab etwas über den Betrieb informiert und weiß, mit wem man es als Bewerber auf der anderen Seite zu tun hat. Die meisten Personaler fragen ihre Kandidaten, ob diese wissen, was die Firma produziert oder anbietet und wie groß das Unternehmen in etwa ist. Punkten kann man hier, indem man sich vorher über das jeweilige Unternehmen im Internet informiert und sich anschaut, wie viele Mitarbeiter in etwa beschäftigt sind, ob es Filialen im Ausland gibt und was dort alles produziert wird. Darüber hinaus sollte der Bewerber natürlich im Voraus wissen, was ihn auf der neuen Stelle erwartet.
Fazit
Wer nur über einen Hauptschulabschluss verfügt, ist nicht zwangsläufig auf dem Arbeitsmarkt verloren. Empfehlenswert ist es allerdings, ein Jahr Schule anzuhängen und die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch so drastisch zu verbessern. Hat man es erst mal bis dahin geschafft, kann man mit einem souveränen Auftritt punkten und den Sprung in die Firma eventuell über ein Praktikum schaffen, in dem man dann unter Beweis stellt, dass man es in der Praxis einfach “drauf” hat. Wer sich leistungs- und lernfähig genug findet, kann den Realschulabschluss übrigens auch abends nach der Arbeit noch auf einer Abendschule nachholen. Dazu gehört allerdings eine große Portion Ehrgeiz und Durchhaltevermögen.

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