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Zeugnissprache und Arbeitszeugnis

„Sein Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war einwandfrei.“ Klingt doch auf den ersten Blick recht gut, oder? In der Zeugnissprache wäre diese Formulierung allerdings nur eine drei (in Schulnoten ausgedrückt). Eine glatte eins hätte unser Musterschüler bekommen, wenn an dieser Stelle stehen würde „Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets vorbildlich.“ So kann es gehen!

Eine weitere Tücke steckt in der Reihenfolge im Satz. Zuerst werden die Kollegen erwähnt, dann erst die Vorgesetzten des Mitarbeiters. Daraus liest ein erfahrener Personalchef unter Umständen Zoff mit den Vorgesetzten heraus.

Arbeitnehmer müssen die Fallstricke der Zeugnissprache kennen, wenn sie ihr Zeugnis richtig einschätzen wollen. Manchmal formulieren Arbeitgeber nämlich ein Zeugnis unabsichtlich schlecht, weil sie zu wenig Kenntnisse von der Zeugnissprache haben. In der Folge einige wichtige Fragen und Antworten rund um das Thema Arbeitszeugnis:

Kann ich jederzeit ein Zwischenzeugnis vom Arbeitgeber verlangen?

Nein. Dafür braucht man ein berechtigtes Interesse. Das liegt etwa dann vor, wenn der Arbeitgeber die Kündigung entweder angekündigt oder schon ausgesprochen hat. Einen ausreichenden Grund hat man aber auch, wenn man in eine andere Abteilung des Unternehmens wechselt oder wenn man einen anderen Chef bekommt. Natürlich liegt auch dann ein berechtigtes Interesse vor, wenn man dem Arbeitgeber sagt, dass man sich woanders bewerben möchte.

Wer darf ein Arbeitszeugnis verlangen?

Voll- und Teilzeitkräfte, 400-Euro-Jobber, Praktikanten und Volontäre.

Darf die Beurteilung im Endzeugnis vom Zwischenzeugnis abweichen?

Nein. Der Arbeitgeber ist grundsätzlich an seine Beurteilung im Zwischenzeugnis für das Endzeugnis gebunden. Etwas anderes gilt dann, wenn es nach dem Zwischenzeugnis erhebliche Veränderungen in Leistung und Verhalten des Arbeitnehmers gegeben hat.

Warum gibt es eine eigene Zeugnissprache?

Der Arbeitgeber ist nach der Rechtssprechung der Arbeitsgerichte dazu verpflichtet, das Zeugnis „wohlwollend“ zu formulieren. Deswegen klingt selbst eine schlechtere Note im Arbeitszeugnis auf den ersten Blick oft nett oder wenigstens neutral.

Dürfen im Zeugnis Ausfallzeiten wie Krankheiten stehen?

Nein. Urlaub und Krankheiten haben im Zeugnis nichts zu suchen. Eine Elternzeit darf nur dann im Zeugnis stehen, wenn sie mehr als die Hälfte der Gesamtbeschäftigungsdauer ausgemacht hat. Im entschiedenen Fall war der Arbeitnehmer 50 Monate im Betrieb beschäftigt und war davon 33,5 Monate im Erziehungsurlaub. Zu den Infos, die nicht ins Zeugnis gehören, zählen auch frühere Abmahnungen. Wurde ein Arbeitnehmer für seine Tätigkeit im Betriebsrat von seiner normalen Arbeit voll freigestellt, darf das nur dann im Zeugnis erwähnt werden, wenn er solange aus dem Job war, dass der Arbeitgeber deswegen seine Leistungen gar nicht mehr beurteilen kann.

Wie gehe ich vor, wenn mein Arbeitszeugnis falsch ist?

Man kann eine Berichtigung verlangen. Darauf sollte man zum Beispiel bestehen, wenn der Chef einen als schlechten Arbeitnehmer darstellt, obwohl man eigentlich gut ist. Eine Berichtigung ist auch wichtig, wenn das Zeugnis Rechtschreibfehler hat oder andere Fehler, weil es zum Beispiel von einem gleichrangigen Kollegen und nicht vom Vorgesetzten unterzeichnet wurde.

Was passiert, wenn der Chef die Berichtigung verweigert?

Dann sollte man noch einmal seine Berichtigungswünsche mit einer fundierten Begründung schriftlich per Post als Einschreiben mit Rückschein an die Personalstelle schicken. Darin sollte man dem Arbeitgeber eine letzte Frist zur Berichtigung setzen. Verstreicht diese Frist erfolglos, ist es an der Zeit zu klagen. Möchte  man eine bessere Note als „befriedigend“, muss man vor Gericht beweisen, dass die Leistungen eine bessere Note verdienen. Das ist für einen Laien schwierig, daher ist hierbei die Beratung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht sinnvoll.

Darf der Chef das Zeugnis wegen meiner Reklamation verschlechtern?

Nein. Es sei denn, es kommen ihm Dinge zu Ohren, die eine schlechtere Note rechtfertigen. Beispiel: Der Arbeitgeber bescheinigt einer Kassiererin Zuverlässigkeit, anschließend erfährt er davon, dass Sie Gelder unterschlagen hat.

Ich habe gekündigt. Wann muss der Arbeitgeber das Zeugnis ausstellen?

Ein Endzeugnis bekommt man in der Regel erst, wenn das Arbeitsverhältnis zu Ende ist. Bei einer fristgemäßen Kündigung dauert es manchmal noch einige Monate, bis es soweit ist. Dann kann man ein vorläufiges Zeugnis verlangen und sich damit bewerben. Später erhält man ein Endzeugnis. Auch wenn man sich mit dem Arbeitgeber noch vor Gericht um die Kündigung streitet, darf er zum Arbeitsende nicht nur ein Zwischenzeugnis ausstellen, sondern muss ein Endzeugnis ausstellen. Der Arbeitgeber darf die Übergabe des Zeugnisses nicht davon abhängig machen, dass erst einmal Dinge wie Büroschlüssel oder Dienstwagen ausgehändigt werden müssen.

Was mache ich, wenn ich eine Firmal verlasse und kein Zeugnis erhalte?

Da die Firma nicht verpflichtet ist, dem Arbeitnehmer ohne Aufforderung ein Zeugnis zu erstellen, muss man dieses explizit verlangen. Am besten verlangt man es deshalb noch während des Arbeitsverhältnisses, etwa kurz nach der Kündigung. Dabei sollte man darauf achten, ein „qualifiziertes Zeugnis“ zu verlangen, also eines mit Beurteilungen zu Leistung und Führung. Falls der Arbeitgeber sich weigert, kann man das Austellen des Zeugnisses im Eilverfahren gerichtlich erzwingen – per einstweiliger Verfügung.

Ich habe mein Arbeitszeugnis verloren. Bekomme ich ein neues?

Ja. Der Arbeitgeber darf die Neuausstellung des Zeugnisses nur dann verweigern, wenn sie mit unzumutbarem Aufwand verbunden wäre. Das wäre dann der Fall, wenn die Personalunterlagen für das Arbeitszeugnis nicht mehr existieren und auch kein Vorgesetzer mehr im Unternehmen ist, der den Arbeitnehmer beurteilen könnte.

Zu unserer vollsten Zufriedenheit … der Arbeitgeber weigert sich, diese Formulierung zu benutzen, was tun?

Einige Arbeitgeber weigern sich „zu unserer vollsten Zufriedenheit“ zu schreiben mit der Begründung, dass dies falsches Deutsch sei. In solchen Fällen muss er die Note 1 mit anderen Worten bescheinigen, zum Beispiel: „Der Arbeitnehmer xyz stellte uns mit seinen Leistungen immer in bester Weise zufrieden.

Was verbirgt sich hinter dem Geheimcode?

Damit sind verschiedene Techniken der Arbeitgeber gemeint, ein Zeugnis so zu verfassen, dass „durch die Blume“ Botschaften übermittelt werden, die für ungeübte Zeugnisleser positiv klingen. Sehr oft verwenden Arbeitgeber die „Leerstellen- oder Auslassungstechnik.“ Sie übermitteln Botschaften, indem sie zu bestimmten Dingen im Arbeitszeugnis nichts sagen. So wäre es etwa in einem Zeugnis einer Kassiererin schon vielsagend, wenn darin nichts über ihre Ehrlichkeit stünde. Kritik bedeutet es auch, wenn der Arbeitgeber am Ende des Zeugnisses keinen Dank, kein Bedauern und keine Zukunftswünsche äußert. Wer sich in Bezug auf die Formulierungen im Zeugnis unsicher ist, sollte ein professionelles Arbeitszeugnisgutachten in Erwägung ziehen.

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2 Responses

  1. u unserer vollsten Zufriedenheit: Zeugnisfloskeln aufgedeckt | Bewerbungs-Check

    […] 17, 2009 Von: Bewerbungs-Check Kategorie: Arbeitszeugnis Wie bereits im Beitrag über die Zeugnissprache erwähnt, gibt es in einem Arbeitszeugnis bestimmte Floskeln, die besser klingen, als sie […]

  2. Geheimcode Arbeitszeugnis – So schön kann negativ Gemeintes aussehen | myON-ID Blog

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